Abwasser im privaten Bereich

Die Zuständigkeit der Dichtheitsprüfung ist vom Baugesetz zum Landeswassergesetz NRW geändert worden

Den Auszug aus dem Landeswassergesetz NRW finden Sie hier

Zur Erklärung haben wir einige wichtige Fragen an den Anfang gestellt, zu denen die Antworten auf dieser Seite folgen.

  • Was sind Grundleitungen und Anschlusskanäle?
  • Wie ist die rechtliche Situation?
  • Was ist zu beachten, bevor Grund- und Anschlussleitungen geprüft werden?
  • Wie lässt sich feststellen, ob die Grund- und Anschlussleitungen dicht sind? – Dichtigkeitsprüfung
  • Gibt es eine Frist für bestehende Grund- und Anschlussleitungen?
  • Hausanschluss undicht, was nun?
  • Kosten und weitere Informationen

Was sind Grundleitungen und Anschlusskanäle?

Das Abwasser eines Gebäudes wird über die so genannte Grundstücksentwässerungsanlage dem öffentlichen Kanal zugeleitet. DieGrundstücksentwässerungsanlage besteht in der Regel aus den Grundleitungen und dem Anschlusskanal.

Grundleitungen sind im Erdreich oder in der Grundplatte des Hauses unzugänglich verlegte Leitungen, die das Abwasser dem Anschlusskanal zuführen.

Der Anschlusskanal ist der Kanal zwischen der ersten Reinigungsöffnung (z. B. Übergabeschacht auf der Grundstücksgrenze, Revisionsschacht im/am Haus oder Revisionsöffnung im Keller) auf dem Grundstück und dem städtischen Abwasserkanal.

Wie ist die rechtliche Situation

Abwasserkanäle und -leitungen müssen dicht sein. Undichte Abwasserkanäle verschmutzen den Boden und das Grundwasser.

Gemäß §61a des Landeswassergesetzes in Nordrhein-Westfalen (LWG NW) sind: „Abwasseranlagen so anzuordnen, herzustellen und in Stand zu halten, dass sie betriebssicher sind und Gefahren oder unzumutbare Belästigungen nicht entstehen können.“

Die Dichtheit der Abwasseranlage ist vom Eigentümer zu gewährleisten und nachzuweisen. Weiterhin sind Abwasseranlagen gemäß den allgemein anerkannten Regeln der Technik (DIN-Normen, insbesondere die DIN 1986 – Entwässerungsanlagen für Gebäude und Grundstücke) herzustellen. Sie müssen gewartet und in Stand gehalten
werden, sodass von ihnen keine Gefährdung für Boden und Grundwasser ausgehen kann.

Was ist zu beachten, bevor Grund- und Anschlussleitungen geprüft werden?

Grundsätzlich gilt:
Bevor Grund- und Anschlussleitungen geprüft werden können, sind für diese eine Reinigung und eine optische Inspektion (Kamerabefahrung) erforderlich. Diese Vorarbeiten erfolgen in der Regel ohne Aufgrabungen und ohne Eingriff in die Bausubstanz. Danach erfolgt die eigentliche Dichtheitsprüfung.

Wie lässt sich feststellen, ob die Grund- und Anschlussleitungen dicht sind? – Dichtheitsprüfung

Eine Dichtheitsprüfung für Abwasserleitungen kann mit Wasser oder Luft durchgeführt werden. Bei Grundleitungssystemen erfolgt die Dichtheitsprüfung oftmals mit Wasser. Nach dem Absperren der Leitung wird das Grundleitungssystem bis zur Oberkante des tiefsten Entwässerungsgegenstandes mit Wasser befüllt. Danach wird der Wasserpegel über einen bestimmten Zeitraum gehalten (i. d. R. 15 min). Während dieser Zeit wird der Wasserverlust gemessen. Die Leitung gilt als dicht, wenn der Wasserverlust einen bestimmten Wert nicht überschreitet. Dieser Wert hängt speziell vom verwendeten Rohrmaterial und von der benetzten Rohrinnenfläche ab. Für die Durchführung gibt es strenge Vorgaben für Technik und Verfahren.

Gibt es eine Frist für bestehende Grund- und Anschlussleitungen?

§61a LWG NW schreibt vor, dass bei bestehenden Abwasserleitungen die erste Dichtheitsprüfung gemäß Absatz 4 bei einer Änderung, spätestens jedoch bis zum 31. Dezember 2015 durchgeführt werden muss. Wenn sich die Abwasserleitung auf einem Grundstück in einem Wasserschutzgebiet befindet,

  • zur Fortleitung industriellen oder gewerblichen Abwassers dient und vor dem 01. Januar 1990 errichtet wurde oder
  • zur Fortleitung häuslichen Abwassers dient und vor dem 01. Januar 1965 errichtet wurde,

endet die Frist am 31. Dezember 2005.

Hausanschluss undicht, was nun?

Undichte Abwasserkanäle müssen saniert werden. Das Sanierungsverfahren ist abhängig von den festgestellten Schäden und der Zugänglichkeit der Kanäle. In vielen Fällen ist heutzutage eine Sanierung ohne Aufgrabung der Leitung (grabenloses Verfahren) möglich. Das beschränkt die Bauzeit und die erforderliche Unterbrechung des Abwasserabflusses auf ein Minimum.

Bei grabenlosen Sanierungsverfahren erfolgt die Sanierung unterirdisch bzw. von innen. Hierbei ist in der Regel die beidseitige Zugänglichkeit der Hausanschlussleitung erforderlich (Revisionsschacht und Anschlussbereich im städtischen Kanal). Man unterscheidet folgende Arten der Sanierung:

• Reparatur von Einzelschäden (Muffen, Risse, Löcher usw.)

• Renovierung einer kompletten Leitung von innen

• Erneuerung einer kompletten Leitung oder von Teilstücken

Kosten und weitere Informationen

Die Kosten für die Reinigung, TV-Inspektion und für die eigentliche Dichtigkeitsprüfung sowie für eine mögliche Sanierung der Kanäle sind stark abhängig von den jeweiligen örtlichen Gegebenheiten und Randbedingungen (Länge der Leitungen, Anzahl der Abzweigungen, Anzahl der Reinigungsöffnungen, Art der Oberflächenbefestigung, Schadensumfang usw.)

Daher bieten wir Ihnen an, in einem Vorort-Gespräch das Objekt gemeinsam zu begutachten. So können wir Ihnen ein konkretes Angebot für die Dichtheitsprüfung Ihrer Hausanschlussleitungen erstellen. Rufen Sie uns einfach an oder schicken Sie uns Ihre Fragen oder einen Terminwunsch per Mail. Gern helfen wir Ihnen umgehend weiter.

Kostenübernahme

Die Gebäudeversicherungen in denen der Wasserschaden und Rohrbruch mitversichert ist, übernehmen ggf. die Sanierung der festgestellten Schäden. Sprechen Sie mit Ihrer Versicherung in wie weit sie die Sanierung der Abwasserleitung dort geltend machen können.

Zuschüsse

In einigen Städten findet eine vorgezogene Dichtheitsprüfung statt und es besteht die Möglichkeit über die Stadtverwaltung bei der KFW Bank Zuschüsse zur Sanierung der Grundleitungen zu beantragen. Diese können in einer Höhe von 200€ pro zu sanierender Leitungslänge jedoch maximal 50% der Sanierungskosten betragen

Wenn Sie weitere Fragen hier zu haben, wir informieren Sie gerne.

Auszug aus der ATV M143 Teil 6

8. Dichtheitskriterien

Bei anstehendem Grundwasser ist der Prüfdruck pro Meter Grundwasser über der Rohrsohle um 100 mbar bis auf maximal 200 mbar zu erhöhen. Steht während der Prüfung der Grundwasserspiegel oberhalb des Rohrscheitels an, kann eine Infiltrationsprüfung, die jedoch nicht Gegenstand dieses Merkblattes ist, durchgeführt werden.

8.1 Dichtheitskriterien der haltungs- bzw. abschnittsweisen Dichtheitsprüfung

8.1.1 Wasserdruckprüfung

Prüfdruck: 50 mbar (50 cm) über dem Rohrscheitel am höchstgelegenen Punkt des Prüfobjektes Wasserzugabe: pauschal 0,2 l/m² benetzter Rohroberfläche Prüfzeit: 15 Minuten.
Bei regelmäßigem Betriebswasserstand von mehr als 50 cm oberhalb des Rohrscheitels ist dieser Wasserstand maßgebend. Der maximal zulässige Prüfdruck am tiefsten Punkt des zu prüfenden Objektes beträgt 0,5 bar.

Technische und rechtliche Regeln

In den nachfolgenden Ausführungen finden Sie präzise Ausführungen rund um die Dichtheitsprüfung. Sie beinhalten folgende Themenschwerpunkte:

  • Verschiedenen Verfahren
  • Fristen und Intervalle
  • Baurecht und
  • Wasserrecht

Wasser- und Luftprüfungen

In den Tabellen 4 und 5 wird ein Überblick über die verschiedenen wählbaren Prüfverfahren weiter Bereiche des privaten Netzes mit den jeweiligen Prüfkriterien gegeben. Auf Grundlage dieser Prüfungen lässt sich das Exfiltrations- bzw. Infiltrationspotential zuverlässig bewerten. Folgende Verfahren zur Dichtheitsprüfung können eingesetzt werden:

  • Druckprüfung mit Wasser als Prüfmedium
  • Dichtheitsprüfung mit Luft
  • Prüfung mit Überdruck
  • Prüfung mit Unterdruck

Zur Überprüfung kompletter Teilnetze im Grundleitungsbereich bietet sich die Prüfung auf Wasserdichtheit nach DIN 1986, Teil 30, an. Die Verfahren nach DIN EN 1610 oder ATV M 143 mit Luftüber- oder -unterdruck sind in den privaten Leitungsnetzen lediglich bedingt einsetzbar.

Dichtheitsprüfung mit Wasser / Prüfverfahren nach:

Wasserdruck-prüfung

DIN EN 1610

Wasserfüllstands-prüfung

DIN 1986 Teil 30, Fassung 1995

Wasserdruck-prüfung

ATV M143 Teil 6

Vorgehen

Der Prüfabschnitt wird bis zum Geländeniveau gefüllt.

Während der Prüfzeit ist der Wasserstand mit einer maximalen Abweichung von 0,01 bar durch Wasserzugabe aufrecht zu halten.

Die Menge des nachgefüllten Wassers und der Prüfdruck sind zu messen und aufzuzeichnen.

wie DIN EN 1610

Jedoch wirdder Prüfabschnitt bis zur Oberkante des tiefsten Entwässerungsgegenstandes oder bis zur Rückstauebene gefüllt.

Der Prüfabschnitt wird gereinigt, vor allem an Stellen, an denen Absperrelemente platziert werden.

Der Prüfabschnitt wird vom Tiefpunkt aus befüllt, die Wasserbefüllung und das Aufbringen des Prüfdruckes erfolgt über einen Freispiegelbehälter.

Die Positionierung der Absperrelemente wird bei abschnittsweiser Prüfung durch eine TV-Kamera überwacht.

Prüfzeit

30 min (+/- 1 min),

1h Vorfüllzeit (falls erforderlich)

15 min

keine Vorfüllzeit gefordert

15 min

keine Vorfüllzeit gefordert

Prüfdruck

Ergibt sich aus der Füllung des Prüfabschnittes bis zum Geländeniveau.

Minimum 0,1 bar

Maximum 0,5 bar

Betriebsdruck (einfacher, tatsächlich möglicher): Ergibt sich aus der Füllung bis zur Oberkante des tiefsten Entwässerungsgegenstandes oder bis zur Unterkante der Reinigungsöffnung in der Fallleitung.

Minimum 0,05 bar

Maximum 0,5 bar

(Bei anstehendem Grundwasser (GW) Erhöhung des Prüfdruckes um 0,1 bar pro Meter GW über dem Rohrscheitel,  maximale Erhöhung um 0,2 bar.)

Zulässige Wasser-zugabe

0,15 l/m² für Rohrleitungen

0,20 l/m² für Rohrleitungen einschließlich Schächte

0,40 l/m² für Schächte und Inspektionsöffnungen

0,10 l/m²

0,2 l/m²

Tabelle 4:Prüfkriterien der nach §45 zugelassenen Dichtheitsprüfungen mit Wasser

Dichtheitsprüfung mit Luft / Prüfverfahren nach:

Luftdruckprüfung

DIN EN 1610

Luftdruckprüfung

ATV M143 Teil 6

Ausführung

Leitungen sind mit geeigneten luftdichten Verschlüssen abzudichten.

Ein Anfangsdruck (Prüfdruck + 10%) ist auf die Leitung zu bringen und die Beruhigungszeit abzuwarten.

Während der Prüfzeit darf der Druck um einen bestimmten Wert, abhängig vom gewählten Verfahren, abnehmen.

Wie DIN EN 1610.

Verfahren

Durchmesser der Leitung

LA

LB

LC

LD

DN 100

DN 200

DN 300

Beruhigungs-zeit

    5 min

1 min

2 min

3 min

Prüfzeit

5 min

4 min

3 min

1,5 min

1 min

2 min

3 min

Prüfdruck

10 mbar

50 mbar

100 mbar

200 mbar

100 mbar (bzw. – 100 mbar)

Zul. Druckabfall

2,5 mbar

10 mbar

15 mbar

15 mbar

15 mbar (Überdruck)

12 mbar (Unterdruck)

Tabelle 5:Prüfkriterien der nach §45 zugelassenen Dichtheitsprüfungen mit Luft

Prüffristen und -intervalle

§ 45 BauOrdnung NRW

Von Abwasseranlagen könnte eine Gefährdung für Grundwasser und Boden ausgehen. Da dies nicht geschehen darf, fordert der § 45 der Landesbauordnung von Nordrhein-Westfalen seit dem 01.01.1996 eine Dichtheitsprüfung aller privaten Abwasserleitungen nach der Errichtung oder Änderung. Ausgenommen hiervon sind lediglich Niederschlagswasserleitungen und Leitungen, die in dichten Schutzrohren so verlegt sind, dass austretendes Abwasser aufgefangen wird. Diese Regelungen gelten ebenfalls für bestehende Abwasserleitungen. Die erste Dichtheitsprüfung muss bei Hausanschlüssen, die bereits vor dem 01.01.1996 bestanden, bei einer baulichen Änderung bzw. bis auf jeden Fall bis zum 31.12.2015 durchgeführt werden.

Bei Grundstücken in Wasserschutzgebieten endet die Frist bereits am 31.12.2005, wenn

die Abwasserleitung der Ableitung industrieller oder gewerblicher Abwasser dient und vor dem 1. Januar 1990 errichtet wurde, bzw. wenn

die Abwasserleitung der Ableitung häuslicher Abwasser dient und vor dem 01. Januar 1965 errichtet wurde.

Der § 45 der Bauordnung von Nordrhein- Westfalen gibt außerdem konkrete Handlungsvorgaben für das Überprüfen von Abwasserleitungen, die der Grundstücksentwässerung dienen. Neuverlegte Leitungen müssen bei Genehmigung oder Abnahme geprüft werden. Für bestehende Leitungen gelten die gleichen Regelungen wie im Rahmen der Dichtheitsprüfung für den Hausbereich so eben beschrieben.

Die Zeiträume für erstmalige Dichtheitsprüfungen müssen stimmig zu dem Ausbau oder der Instandhaltung des örtlichen Kanalsystems passen, um sinnlose Aufwendungen zu verhindern. Dadurch können in den jeweiligen Ortssatzungen die Fristen individuell festgelegt werden.

Durch die geltende DIN 1986, Teil 30 (Fassung 2003) sind Fristen und Intervalle für durchzuführende Inspektions- und Wartungsmaßnahmen vorgegeben. Dabei wird zwischen häuslichem (Tabelle 6) und industriellem oder gewerblichen Abwasser (Tabelle 7) unterschieden.

Prüfung häuslicher Grundleitungen durch

Anlass

Prüfzeitraum

TV- Inspektion

Umbauarbeiten, die weniger als 50 % der Entwässerungsanlage betreffen

im Zuge der Baumaßnahme

Erstprüfung

bis Ende 2015

Wiederkehrende Prüfung

alle 20 Jahre

Wiederkehrende Prüfung in Wasserschutzgebieten der Schutzzone II

jährlich

Wiederkehrende Prüfung in Wasserschutzgebieten der Schutzzone III

alle 5 Jahre

Druckprüfung

Wesentliche bauliche Veränderungen und Erweiterungen

im Zuge der Baumaßnahme

Umbauten, die mehr als 50 % der Entwässerungsanlage betreffen

im Zuge der Baumaßnahme

Wiederkehrende Prüfung in Wasserschutzgebieten der Schutzzone II

alle 5 Jahre

Tabelle 6: Dichtheitsprüfung an Grundleitungen, die häusliches Abwasser ableiten nach DIN 1986, Teil 30 (Fassung 2003)

Prüfung industr./gewerbl. Grundleitungen durch

Anlass

Prüfzeitraum

TV- Inspektion

Wiederkehrende Prüfung in Wasserschutzgebieten der Schutzzone II

jährlich

Wiederkehrende Prüfung in Wasserschutzgebieten der Schutzzone III

alle 5 Jahre

Druckprüfung

Bauliche Veränderungen und Erweiterungen, auch wenn nur Teilstrecken betroffen sind

im Zuge der Baumaßnahme

Erstprüfung von Leitungen vor Abwasserbehandlungsanlagen

umgehend

Erstprüfung von Leitungen nach Abwasserbehandlungsanlagen

bis 2004

Wiederkehrende Prüfung

alle 5 Jahre

Wiederkehrende Prüfung

alle 15 Jahre

Wiederkehrende Prüfung in Wasserschutzgebieten der Schutzzone II

alle 5 Jahre

Wiederkehrende Prüfung in Wasserschutzgebieten der Schutzzone III

alle 5 Jahre

Wiederkehrende Prüfung in Wasserschutzgebieten der Schutzzone III für Leitungen vor Abwasserbehandlungsanlagen

Abstimmung mit Überwachungsbehörde

Tabelle 7: Dichtheitsprüfung an Grundleitungen, die industrielles oder gewerbliches Abwasser ableiten   –   nach DIN 1986, Teil 30 (Fassung 2003)

Baurecht

Grundstücksentwässerungen unterliegen den Bauordnungen der Länder. Lediglich in Bayern sind die Leitungen außerhalb von Gebäuden dem Wasserrecht unterstellt. Anschlusskanäle sind entsprechend der Abwassersatzung der Grundstücksentwässerungsanlage zugeordnet und somit per Definition der öffentlichen Abwasseranlage zugehörig. Trotzdem unterliegen sie ebenfalls der Bauordnung.

Nach der Landesbauordnung dürfen jegliche bauliche Anlagen die öffentliche Sicherheit, die natürlichen Lebensgrundlagen und somit auch Boden und Grundwasser nicht gefährden (Gewässerschutz). In der DIN EN 1610, dem ATV- DVWK- Arbeitsblatt A 139, der RAL Gütesicherung GZ 961 und der VOB ist die Qualifikation der Unternehmen aufgeführt, die im Bereich Abwasser tätig sind. Bedingung ist, dass die Unternehmer über erforderliche Sachkenntnisse, Fachkräfte und Vorrichtungen verfügen.

Wasserrecht

Das Wasserrecht betrachtet den Aspekt des Umgangs mit wassergefährdeten Stoffen. Der § 18 b des Wasserhaushaltsgesetzes regelt in Verbindung mit den Landeswassergesetzen, dass Abwasseranlagen nach den allgemein anerkannten Regeln der Technik zu errichten und zu betreiben sind. Demnach kann bei Grundleitungen, die außerhalb von Gebäuden liegen, von einer Verpflichtung zur Beauftragung von Fachbetrieben ausgegangen werden.

Auszug aus dem neuem Landeswassergesetz NRW

§ 61a LWG

§ 61a Private Abwasseranlagen

(1) Private Abwasseranlagen sind so anzuordnen, herzustellen und instand zu halten, dass sie betriebssicher sind und Gefahren oder unzumutbare Belästigungen nicht entstehen können. Abwasserleitungen müssen geschlossen, dicht und soweit erforderlich zum Reinigen eingerichtet sein. Niederschlagswasser kann in offenen Gerinnen abgeleitet werden. Im Übrigen gilt § 57 entsprechend.

(2) Die Gemeinde ist berechtigt, die Errichtung und den Betrieb von Inspektionsöffnungen oder Einsteigeschächten mit Zugang für Personal auf privaten Grundstücken satzungsrechtlich vorzuschreiben.

(3) Der Eigentümer eines Grundstücks hat im Erdreich oder unzugänglich verlegte Abwasserleitungen zum Sammeln oder Fortleiten von Schmutzwasser oder mit diesem vermischten Niederschlagswasser seines Grundstücks nach der Errichtung von Sachkundigen auf Dichtheit prüfen zu lassen. Eigentümer anderer Grundstücke, in denen diese Leitungen verlaufen, haben die Prüfung der Dichtigkeit und damit einhergehende Maßnahmen zu dulden. Ausgenommen sind Abwasserleitungen zur getrennten Beseitigung von Niederschlagswasser und Leitungen, die in dichten Schutzrohren so verlegt sind, dass austretendes Abwasser aufgefangen und erkannt wird. Über das Ergebnis der Dichtheitsprüfung ist eine Bescheinigung zu fertigen. Die Bescheinigung hat der nach Satz 1 Pflichtige aufzubewahren und der Gemeinde auf Verlangen vorzulegen. Die Dichtheitsprüfung ist in Abständen von höchstens zwanzig Jahren zu wiederholen.

(4) Bei bestehenden Abwasserleitungen muss die erste Dichtheitsprüfung gemäß Absatz 3 bei einer Änderung, spätestens jedoch bis zum 31. Dezember 2015 durchgeführt werden.

(5) Die Gemeinde soll durch Satzung abweichende Zeiträume für die erstmalige Prüfung nach Absatz 4 Satz 1 festlegen,

1. wenn Sanierungsmaßnahmen an öffentlichen Abwasseranlagen

nach § 53 Abs. 1a oder in einem gesonderten Kanalsanierungs- oder Fremdwassersanierungskonzept festgelegt sind oder

2. wenn die Gemeinde für abgegrenzte Teile ihres Gebietes die Kanalisation im Rahmen der Selbstüberwachungsverpflichtung nach § 61 überprüft.

Die Gemeinde muss für bestehende Abwasserleitungen durch Satzung kürzere Zeiträume für die erstmalige Prüfung nach Absatz 4 Satz 1 festlegen, wenn sich diese auf einem Grundstück in einem Wasserschutzgebiet befinden und

1. zur Fortleitung industriellen oder gewerblichen Abwassers dienen und vor dem 1. Januar 1990 errichtet wurden oder

2. zur Fortleitung häuslichen Abwassers dienen und vor dem 1. Januar 1965 errichtet wurden.

Im Falle des Satzes 2 sind bei Festlegung des Zeitraumes die Schutzziele der Wasserschutzgebietsverordnung zu berücksichtigen. Die Gemeinde ist verpflichtet, die Grundstückseigentümer über die Durchführung der Dichtheitsprüfung zu unterrichten und zu beraten.

(6) Die oberste Wasserbehörde ist ermächtigt, die Anforderungen an die Sachkunde durch Verwaltungsvorschrift festzulegen. Die Gemeinde kann bis zum Erlass der Verwaltungsvorschrift durch Satzung Anforderungen an die Sachkunde festlegen.

(7) Die Absätze 3 bis 5 gelten nicht für Abwasserleitungen, die aufgrund des § 61 Selbstüberwachungspflichten unterliegen.